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Chapter 2- act 7: Tokyo

Originally I wanted to write this entry in english but I´m so much behind in time that I have to write in german. English takes to much time for me. The next entry about my first experiences in Alaska I will write in english I promise.

So Tokyo. Nach meinen Tagen in Beijing sehne ich mich eigentlich nach ein wenig Ruhe, nach Raum zum atmen und nach ein wenig unverbrauchter Natur. Aber das alles werde ich in Tokio wohl nicht bekommen.

 

Nach meiner etwas holprigen Anreise wünsche ich mir erstmal auch nur einen guten Schlafplatz. Ich betrete das von mir gebuchte Hostel allerdings schon mit einem etwas mulmigen Gefühl, da ich einen Tag später anreise als eigentlich angekündigt und in Schanghai auch nicht die Möglichkeit hatte eine E- Mail mit einer Ankündigung meiner Verspätung zu verfassen. Und tatsächlich bestätigt sich das ungute Gefühl als ich meinen Namen an der Rezeption nenne. Nein, meine Reservierung hätten sie gecancelled und es sei auch kein Bett mehr frei für diese Nacht. Aber er könne mir ein günstiges Hotel empfehlen für die Nacht. Ein wenig verzweifelt bin ich in dieser Situation ja schon. Erst der ganze Schlamassel mit dem Flug, einen ganzen Tag verloren und dann muss ich mich erstmal auf die Suche nach einem Schlafplatz machen. Aber Aufregen bringt an dieser Stelle nichts. Ich frage also nach dem Weg und dem Namen des Hotels und mache mich auf die Socken. Der Name Capsule- Hotel lässt in mir auch schon irgendetwas aufhorchen aber ich kann es zu diesem Zeitpunkt noch nicht fassen. Erst als ich an der „Rezeption“ des Hotels erstmal ein Ticket für meine Übernachtung ziehen muss und dass tatsächlich an einem Automaten tue, geht mir langsam auf, dass ich diese Nacht nicht in einem normalen Hotel nach europäischem Standard verbringen werde. Die Gänge des Hotels winden sich in dem Haus wie eine vielköpfige Schlange und als ich letztendlich den richtigen Flur betrete, geht mir auch auf warum mich der Name Capsule-Hotel hat aufhorchen lassen. Ich habe darüber schon mal in einer Fernsehsendung in Deutschland gehört. Die Platz-sparendste und günstigste Version von Hotelzimmern... Nebeneinander aufgereihte und aufeinander gestapelte Kapseln, die sich wie Bienenwaben zu einem Hotel-Stock zusammensetzten.

 

Das ist doch mal eine interessante Erfahrung. Belegte Kapseln werden durch eine rot leuchtende Diode gekennzeichnet, freie mit einer grünen. Man muss sich also vorstellen, dass die Hotelgäste in einem nach vorne offenen länglichen Plastikei übernachten. Das Ei oder die Wabe ist ausgestattet mit einem Bedienelement für Licht, Radio, Wecker und Fernseher, der an der Wabendecke angebracht ist. Empfangen wird ein einziger Kanal. Will man ein größeres Angebot freischalten, so steht ein Münzeinwurf zur Verfügung. Auch Pay-TV kann mit einem extra Ticket an dem Rezeptions- Automaten erworben werben. Die Wabe kann vorne mit einer Art Vorhang verschlossen werden und man ist von der Außenwelt abgeschnitten. Für die Wertsachen und Gepäckstücke gibt es einen Schrank im Vorraum. Auch hier eine sehr interessante Erfindung, die mir erst nach einigem nachdenken aufgeht: Vor den Schränken sind Steckdosen in den Boden eingelassen. An diese kann man seine elektrischen Geräte, wie Handys oder Laptops anschließen, während die Geräte selbst sich in dem abgeschlossenen Schrank befinden. Sehr praktisch, wirkt aber erstmal ein wenig eigentümlich, wie die Kabel so aus den Metallschränken hervorragen. Dieses Hotel ist definitiv kein Platz zum Wohl fühlen aber es ist alles im allem, wie gesagt, sehr praktisch, rational und seinem Zweck, dem günstigen Übernachten tatsächlich sehr dienlich. Das Schlafen selbst ist nicht anders als in jedem anderen Hotel auch, erholsam und kraftspendend, wenn man sich schnell an neue Umgebungen gewöhnt. Für mich ist diese Erfahrung durchaus gewinnbringend und dennoch weiß ich, dass auch ich hier nicht mehr als eine Nacht verbringen möchte.

Den nächsten Tag stürze ich mich in die nächste Großstadt auf meiner Reise und wie nicht anders abzunehmen erwarten mich auch hier Massen über Massen von Menschen, zusammengedrängt in U- Bahnen, Einkaufsstraßen und Touristenknotenpunkten. Die erste Herausforderung, die ich in Tokio zu meistern habe, ist mich mit einem neuen System von U-Bahnen zurechtzufinden. Und ich muss ehrlich sagen, für mich ist es schwieriger als in Moskau, obwohl hier doch überall auch normale Buchstaben verwendet werden. Aber das tokioter U-Bahnnetz zieht sich wie ein Spinnennetz durch die Stadt und zwar nicht wie ein normales mit instinktivem System geknüpftes Netz, sondern wie ein Netz welches von einer Spinne in angetrunkenem Zustand gewoben wurde. Die Knotenpunkte sind nicht regelmäßig, die Übergänge nicht fließend und ich bin mir sicher, wenn ein solches Spinnennetz in der Wirklichkeit existieren würde, würde sich die Spinne selbst in ihrem Netz verheddern. Die Linien haben keine Nummern sondern, natürlich japanische, Namen, was die Orientierung erschwert. Stationen die zum Umsteigen dienen haben pro Linie auch wieder verschiedene Namen, so dass man fast nie in ein und derselben Station in eine andere Linie wechseln kann, sondern erstmal eine andere Station betreten muss, die aber wiederum genauso miteinander verbunden sind wie bei normalen U-bahn-Netzen die Umsteigeknotenpunkte, was, finde ich, keinen Sinn macht, dann hätte man doch auch gleich dieselben Namen verwenden können. Außerdem gibt es die Tokio-Metro und die JR-Linien, für die verschiedene Tickets an verschiedenen Automaten gezogen werden müssen. Die Preise der Fahrscheine berechnen sich nach der Distanz. Auf dem Plan der Metro sind die JR-Linien nicht eingezeichnet und umgekehrt. Es kann einem also passieren, dass man einen Fahrschein für 260 Yen erwirbt um an einen bestimmten Punkt mit der Metro zu kommen. Merkt man während der Fahrt, dass man bei einem Umsteigen in eine JR-Linie viel schneller wäre, verfällt also der zu viel gezahlte Preis des Metro-Tickets und man muss zusätzlich für die JR-Linie bezahlen. Man sollte sich seiner Sache also sehr sicher sein. Das ist am Anfang nicht immer ganz einfach. Für einen Fremden, der das erste mal den Plan der Tokioter U-bahn betrachtet, wird schnell klar das diese Herausforderung nicht leicht zu meistern sein wird. Nach ein paar Tagen Eingewöhnungsphase geht es dann aber plötzlich wie von ganz alleine. Es ist als hätte man eine neue Sprache gelernt. Man fühlt sich mit der Zeit immer sicherer und es fängt sogar an Spaß zu machen, man spürt ein Gefühl des Erfolgs und dann ist es auf einmal ganz normal. Zum Glück gibt es auch wirklich an fast jeder Station hilfsbereite Japaner, die mit geübtem Auge den verzweifelten Touristen mit verständnislosem Blick auf die U- bahn- Pläne stieren sehen und sich seiner annehmen. Es wird höflich Hilfe angeboten und der richtige Weg erklärt.

Das ist so oder so eines der herausragendsten Merkmale Tokios (und ich schätze einfach mal ganz Japans): die ausgesuchte Höflichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen. In jedem Laden wird tausendmal Bitte und Danke gesagt, es wir überall um die Wette gelächelt und wildfremde Menschen sprechen einen auf der Straße oder in der U-Bahn an, um einem weiter zu helfen oder einfach nur ein wenig Englisch zu sprechen. Und niemand von ihnen will dir hier etwas verkaufen oder einen in dubiose Kunstgalerien zerren. Man ist als Tourist nicht das Opfer was es zu schröpfen gilt, sondern der Gast den es zufrieden zustellen gilt oder für den man sich schlicht interessiert. Man fühlt sich manchmal regelrecht hofiert. Die Höflichkeit wirkt auch nicht aufgesetzt oder wird einem regelrecht lästig. Man fühlt sich einfach willkommen und gut aufgehoben.

Die einzigen Menschen, die in Japan wirklich aufdringlich sind sind die ausländischen Disko-Marktschreier. Sie versuchen einen in den Zentren des Nachtlebens in ihre Clubs oder Bars zu schleifen. Versprechen einem schöne japanische Frauen und billiges Bier. Sie lassen nicht so schnell locker und versuchen die Sprechbarriere auszunutzen, die es es in Japan erstmal zu überwinden gilt. Denn auch hier ist die Englische Sprache nicht wirklich weit verbreitet. Hat man allerdings des japanischen mächtige Menschen mit dabei, lassen sie ganz schnell von einem ab und werfen sich auf die nächste hilflos umher irrende Touristengruppe. Diese Beobachtung konnte ich ganz relaxt machen, weil ich mich gemeinsam mit einer international zusammengewürfelten Truppe aus meinem Hostel auf einer Erkundungstour im Tokioter Nachtleben befunden habe und wir tatsächlich zwei japanische Studenten unterwegs aufgegabelt haben, die wir eigentlich nur nach dem Weg gefragt haben und die uns dann mit dem I-Phone und Google-Maps bewaffnet bis zu unserem Ziel und dann noch weiter begleitet haben. Da war sie wieder die ungezwungene Freundlichkeit... Wir wollten eigentlich etwas von ihnen und für sie war es wie selbstverständlich sich uns anzuschließen. Natürlich haben sie uns vorher gefragt. (Die Höflichkeit) Durch die beiden konnten wir großartige Einblicke genießen in das japanische Alltagsleben und zusätzlich haben sie uns auch noch einen wunderbaren Deal vermittelt in einer der Karaoke-Bars Tokios, die hier so zahlreich sind wie in Deutschland die Trinkhallen. Karaoke wird hier nicht mit dem gesamten Publikum einer Bar zelebriert sondern in kleinen privaten Einheiten, die ähnlich wie die Waben des Capsule- Hotels nebeneinander angeordnet sind. Das Bier wird über Telefon geordert und von unten in die mehrstöckigen Anlagen verteilt. Zur Auswahl stehen nationale und internationale Klassiker und natürlich modernes. Wobei für den ausländischen Touristen natürlich nur die internationalen Stücke in Frage kommen, nicht nur weil die Texte der japanischen Pop-Musik nicht zu entziffern sind sondern auch der Klang für europäische Ohren nicht zu ertragen ist. (Das mussten wir feststellen als unsere beiden japanischen Freunde etwas zum besten gegeben habe.)

 

 

Auch ich habe natürlich meine durch Zigarettenrauch und Alkohol geölte Stimme genutzt um einige Lieder zu trällern. (Zum Glück werden die Stimmen hier mit dem Synthesizer so weit verzerrt, das man sich kaum selbst erkennt) Bis am nächsten Morgen wieder die U-Bahnen gefahren sind haben wir es hier richtig krachen lassen. (Was ich übrigens nicht verstehe, in einer Millionenstadt wie Tokio, genauso wie in Beijing, stellt das U-Bahnsystem von 24 bis 5 Uhr in der Früh seine Tätigkeit ein und in einer dazu im Vergleich kleinen Stadt wie Hamburg fahren die Züge die ganze Nacht....?!)

Apropos Zigarettenrauch kombiniert mit Höflichkeit. Das Rauchen auf der Straße ist in Tokio nicht verboten. Überall befinden sich allerdings Schilder mit der Bitte doch nur in gekennzeichneten Raucherbereichen seiner Sucht nachzugehen. Ich betone Bitten! Und die Japaner tun dies auch. Ausschließlich. Die einzigen Menschen die ich hier in nicht abgegrenzten Bereichen habe rauchen sehen waren Touristen. Ich glaube nicht das in Deutschland das Bitten Erfolg haben würde. Ich denke da einfach an mich selbst... In Japan habe ich mich natürlich zähneknirschend den Gegebenheiten angepasst und bin teilweise ganz zittrig geworden, weil die Raucherbereiche nicht wirklich regelmäßig über die Stadt verteilt sind. In den Raucherbereichen weisen dann freundliche Hinweisschilder auf die negativen Auswirkungen des Rauchens hin. Teilweise etwas übertrieben und fern der Realität wie ich finde. So wird beispielsweise darauf verwiesen, dass die Flamme eines Feuerzeugs!!! Menschen in einem weiten Umkreis gefährdet oder Zigaretten weil sie normalerweise in Kopfhöhe eines Kindes gehalten werden, diese besonders schädigen. Also ich halte meine Zigarette normalerweise in Höhe meines Mundes und nicht in Kindeskopfhöhe aber der Gedanke muss ja schon einmal gedacht werden.... Das rauchen bringt mich wiederum zu einem weiteren Highlight meines Tokio- Aufenthaltes. In der Electric-City sind die Raucherbereiche ebenfalls sehr unregelmäßig gesät, so bin ich quasi immer wieder sozusagen in die Spielhöllen gezwungen worden, denn dort ist das rauchen in allen Stockwerken mit ausgesuchten „Männer“-Spielen erlaubt. Muss es auch sein, schließlich will man die Zocker so lange wie möglich an den Automaten halten. Und hier gibt es alles was das Zocker-Herz begehrt: Street Fighter, Tekken, House of the Death, GTA und natürlich für mich alten Nintendo-Fan: Super- Mario-Kart (das allerdings in einem Rauchfreien Stockwerk, weil auch jüngere Menschen dort Zugang haben). Einige Stunden habe ich hier insgesamt über die komplette Woche verteilt zugebracht und bin den Leidenschaften meiner Jugend nachgegangen. Leider habe ich nicht immer alle Anweisungen verstanden und so musste ich mich oft mit Gegner direkt im Vergleich messen und konnte nicht gegen den Computer glänzen, was natürlich immer in einer Niederlage für mich geendet hat, da diese geübten Spieler gewisse Vorteile haben. Darum beneide ich die Japaner wirklich. Ich finde das zocken in einer solchen Atmosphäre hat viel mehr Flair als Solo zu hause vor der Glotze. Auch für Mädels wird einiges geboten. Tanzspiele, Model- und Foto-Wettbewerbe, hier ist wirklich für jeden was dabei. Ganz besonders beliebt ist ein Spiel in dem man zum Rhythmus von Musik sechs hell aufleuchtende Knöpfe drücken muss. Auch daran habe ich mich versucht, bin aber über das Anfängerlevel nicht hinausgekommen und schnell an meine Grenzen gestoßen. Schaut man allerdings den Profis zu, kann einem regelrecht schwindelig werden.Es waren auch Spiele dabei, bei denen sich mir der Sinn einfach nicht erschließen wollte und eine Menge Möglichkeiten mit Greifarmen sein Glück im Automaten zu suchen. Hier müssen täglich Milliarden von Yen einfach in den Schlitzen der Computerindustrie verschwinden.

 

Oha, wo wir gerade bei Maschinen sind. Tokio ist für mich ab jetzt die Automatenhauptstadt der Welt. Hier stehen sprichwörtlich an jeder Ecke Getränkeautomaten. Wirklich überall und dann nicht alleine sondern sie treten meist in Haufen auf. Es gibt hier auch Zigaretten am Automaten, Eis, Pizza, Bananen!! und in vielen Restaurants gibt man seine Bestellung am Automaten auf und gibt das ausgespuckte Ticket dann einfach an die Küche weiter.

 

Effizienz und Zeitersparnis an jeder Ecke uns an jedem Ende, verständlich, schließlich hat ein japanischer Arbeitnehmer am Anfang seiner Karriere oft nur 10 tage!!! Urlaub und meist eine 50 Stunden Woche, da will die wenige freie zeit gut genutzt sein und man will diese nicht mit warten in Schlangen verbringen. Auch sind die Automaten nicht teurer als die Getränke in den Supermärkten. Es geht wohl tatsächlich einfach auch darum den Andrang an Menschen zu verteilen und manche Bedürfnisse sozusagen outzusourcen. Das Essen ist übrigens meist vorzüglich auch wenn es für unsereins fast automatisch billig und irgendwie nach minderer Qualität klingt, wenn man es an einem Automaten bestellt. Aber in einem Land wie Japan muss man seine herkömmlichen Denkwiesen auch einfach mal über Bord werfen und das Neue ganz unverkrampft an sich heran kommen lassen. Dann kann man es wirklich genießen, vor allem wenn man so langsam gelernt hat den Inhalt der Bilder richtig zu deuten und man tatsächlich Rind oder Hühnchen bekommt wenn man Rind oder Hühnchen haben möchte. Man hat tatsächlich auch keine andere Wahl als auf diese weit verbreiteten Fast-Food Restaurants zurückzugreifen, will man nicht innerhalb kürzester Zeit völlig verarmen in dieser wirklich extrem teuren Stadt. Natürlich ist für mich der Unterschied besonders groß, weil ich aus Beijing komme und vorher russische und mongolische Preise gewöhnt war. Das japanische Preisniveau lässt sich eher mit Finnland vergleichen aber das ist innerhalb der letzten ein- ein halb Monate so weit von mir weggerückt, dass es mir tatsächlich schwer fällt wieder zu dieser Sichtweise zurückzukehren.

Natürlich musste ich in Japan auch mal Sushi probieren aber davon war ich wirklich enttäuscht. Die heimische Sushi- Bar in Kassel steht diesem in Qualität in nichts nach und auch preislich konnte ich keinen Unterschied feststellen. Selbstverständlich hätte ich bestimmt eine Sushi-Bar finden können, die um einiges besser ist aber das hätte sich höchstwahrscheinlich dann auch dementsprechend im Preis niedergeschlagen. Nur um wirklich gutes Sushi für einen vergleichsweise günstigen Preis zu bekommen lohnt es sich also nicht nach Japan zu kommen. Allerdings gibt es Sushi auch in jedem Supermarkt in Hülle und Fülle, frisch zubereitet und zu günstigem Preis und das ist wirklich erheblich besser als als das Sushi aus den Gefriertruhen der europäischen Supermärkte. Für günstiges Sushi lohnt es sich also nach Japan zu kommen aber das sollte nicht der einzige Grund sein.

Viel erwähnenswerter als die Sushi- Thematik finde ich das Überangebot an Freizeitparks und sonstigen Vergnügungszentren, wie einem Legoland, Madame Taussauge oder einem eigenen Disney-Land. Was sagt uns das wohl über die japanische Gesellschaft? Auf jeden Fall, dass die Menschen zu wenig Urlaub haben um des öfteren weitere Reisen zu unternehmen und aus diesem Grund gezwungen sind, ihre Zerstreuung in der Nähe zu suchen und dass die absolute Fokussierung auf Arbeit als Lebensinhalt auch einen Ausgleich braucht, der sich dann in exzessivem Freizeitgenuss ausdrückt und anderen extremen, die ich später noch erwähnen werde. Die Vergnügungszentren sind des öfteren nicht von den europäischen zu unterscheiden, wobei der Anteil an elektronischer Unterhaltung doch wesentlich höher ist. Diese Tatsache ist für mich auch neben dem Fakt, dass viele hochqualitative Elektroerzeugnisse ihren Ursprung immer noch in Japan haben, natürlich auch dadurch zu erklären, dass eine virtuelle Achterbahn mit Wasserbesprenkelungsanlage viel weniger Platz einnimmt als eine echte und der Effekt fast derselbe ist. Nervenkitzel, eine Menge ausgeschüttetes Adrenalin und Spaß in einer hohen Dosierung ist auch in diesem virtuellen Abenteuer das Ergebnis.

Und die japanische Unterhaltungsindustrie ist wirklich überaus einfallsreich. Für mich war es klar, dass ich auch einige Stunden in einem dieser virtuellen Vergnügungsbrunnen zubringen musste und habe mir den SEGA- Park ausgesucht. (Einen Nintendo-Park gab es leider nicht, den ich auf jeden Fall vorgezogen hätte. Da bin ich doch immer noch sehr geprägt von meinen ersten Computerspielerfahrungen. Einmal Gameboy, immer Gameboy!) Hier hat man sich wirklich größte Mühe gegeben, große SEGA-Spiele-Klassiker in eine praktisch erfahrbare Form zu gießen. Man kann als Sonic an einer Olympiade teilnehmen, in der House of the Death- Achterbahn Zombies abknallen, in einer echten Dodge-Viper über die virtuellen Straßenbrettern oder eine Rakete mit vielen Umdrehungen durch einen Parcours steuern.

 

Die Kombination aus visuellen Reizen und körperlich erfahrbaren Extremsituation hat auf mich einen beschwingenden Effekt, der den schwindelerregend hohen Eintrittspreis fast vergessen lässt. Die ständig klatschenden und einen stets anfeuernden und ermutigenden Mitarbeiter tragen natürlich auch ihren Teil dazu bei, sich in einer ganz besonderen Atmosphäre zu fühlen. Mein ganz persönliches Highlight sind allerdings die Toiletten. Benutzt man das Pissoir wird man durch ein sich in Kopfhöhe befindliches Display aufgefordert einen bestimmten Punkt anzupinkeln (der durch die Konstruktion bedingt auch die wenigste Streuung von Urintropfen verursacht). Sodann wird durch einen Sensor ein Wasserstrahlwettbewerb auf dem Display gestartet, welchen man gewinnen kann, so lange man den richtigen Punkt im Pissoir anpinkelt....

 

Und die normalen Toiletten besitzen tatsächlich eine Art Brunnen in der Mitte, der einem in verschiedenen Intensitäten den After reinigt und auf Knopfdruck auch Musik abspielt. Eine solche Toilette wollte ich schon immer einmal live sehen. Und hier ist sie!!! Wenn ich später einmal genug Geld für solche im Prinzip überflüssigen Dinge habe, muss ich mir ein solches Teil auch anschaffen. Fast ist es schade, dass ich zu diesem Zeitpunkt einfach nicht auf die Toilette muss....

Wo ich gerade wieder bei Elektronik bin, muss ich nochmal auf die Elektric-City zu sprechen kommen, die auch gleichzeitig das Zentrum der Manga- und Erotik- Szene ist.

 

Ganze Hochhäuser vollgestopft mit Comics. Hier gibt es alles, was auch bei uns mal „In“ war, ist oder in den nächsten Jahren sein wird. Dragonballs, One Piece, Mila Superstar, Die Kickers, Sailermoon, Yu-Gi-Oh und und und... Nun ja und es gibt eben auch die Bereiche, die einen Europäer dann doch eben eher abschrecken. Meist im Keller befinden sich die Erotik-Sparten. Und was ich hier als Erotik bezeichne ist eine sehr freundliche Umschreibung von dem was ich dort auf den Covern der Magazine entdecke. Wirklich jedwede Perversität, die man sich ausmalen kann gibt es dort in Form von Comics zu erstehen. Besonders beliebt sind Mädchen in Schuluniformen... Das wirkt schon ein wenig befremdlich und auch manchmal regelrecht abschreckend. Vor allem weil es so gar nicht verpönt scheint. Die Läden sind nicht wie bei uns in ausgesprochene Rotlicht-Viertel gedrängt, sondern befinden sich eben einfach im Keller eines „normalen“Comic-Kaufhauses. Auch die ausschließlichen auf Erotik-Artikel spezialisierten Läden befinden sich direkt neben einem, zum Beispiel, Kaufhaus für Bücher. Meine Neugier treibt mich natürlich auch in diese Etablissements und ich bin beeindruckt von der geradezu überwältigenden Menge an Gummi-Puppen, -Mündern, -Ärschen, -Brüsten und Dildos für den Selbstgebrauch. Das Thema Sexualität ist in Japan ein sehr schwieriges habe ich mir berichten lassen. Auf der einen Seite wird es regelrecht tabuisiert in der Familie und der Öffentlichkeit (Sex vor der Ehe wird nur in speziellen Love-Hotels praktiziert, es ist unvorstellbar in jungen Jahren einen Partner mit nach Hause zu bringen) auf der anderen Seite müssen sich diese unterdrückten Gelüste dann irgendwo anders niederschlagen, was seinen Ausdruck in der immensen und „sehr vielfältigen“ Erotik und Pornoindustrie findet. Ich entdecke unter anderem einen Laden, indem man lebensechte (und ich meine wirklich verblüffend lebensechte) Puppen erwerben kann, das erschreckende dabei: sowohl von erwachsenen Frauen als auch von wirklich jungen Mädchen. Die erforderlichen Öffnungen sind natürlich vorgesehen und mit besonderem Interieur ausgestattet. Des weiteren entdecke ich einen Automaten für Höschen und meine Fantasie und eine Eingebung schon mal davon gehört zu haben sagen mir, dass diese dort zu erstehenden Produkte vorher schon getragen wurden...Das alles ist wirklich sehr extrem aber auch hier muss ich mich davon lösen meine europäische Denkweise zu einem Maßstab zu erklären. Mich würden wirklich die Statistiken zu sexuellem Missbrauch in Japan interessieren. Sind diese vergleichsweise geringer als in Europa so fände ich es besser wenn die Gelüste in dieser Art und Weise ausgelebt werden können als sie in die Praxis umzusetzen aber das muss ich noch recherchieren...

Vielleicht liegt es ja auch daran, dass Japan nicht nur das Land der Trading-Card Games Yu-Gi-Oh und Pokemon ist sondern, dass man hier auch Karten von Schulmädchen sammeln kann. Echt war! Ich habe mehrere Geschäfte gesehen in denen große Boxen mit tausenden Sammelkarten verschiedener Mädchen zu finden waren. Auf der Vorderseite eine Großaufnahme mit kokettem Gesichtsausdruck, schüchtern lächelnd oder einen der Finger zwischen den Lippen und auf der Rückseite Angaben in japanischen Schriftzeichen, ich gehe davon aus, Maße, Hobbys usw. Um die Boxen herum jüngere und ältere Männer die sich verschiedene Karten zeigen und gewissenhaft fachsimpeln. Auch das ist eher eigenartig finde ich...

Einen weiteren außerordentlich interessanten Ort entdecke ich wie durch Zufall. Dazu muss man wissen, dass in Tokio die Geschäftsviertel sozusagen nach den dort zu erwerbenden Produkten eingeteilt sind. In der Electric-City gibt es alles was mit Elektronik zu tun hat, es gibt einen Stadtteil für Sport-waren, einen für Musikinstrumente und eben auch einen ganzen Stadtteil für gebrauchte Bücher.(das wäre besonders was für dich Andreas!!!)


Hier herum zu stöbern ist wirklich ein großes Vergnügen. Ich ärgere mich nicht nur einmal, dass ich noch eine lange Reise vor mir habe und Papier einfach unheimlich schwer ist. Ich finde einen ganzen Laden mit englischsprachiger Literatur, einen mit viel fremdsprachiger Literatur, darunter auch einige deutsche Klassiker, eine riesige Abteilung mit günstigen Marvel-Comics, vor allem aber ist die Atmosphäre einfach magisch. Bücher überall, auf den Straße, gestapelt bis zur Decke in den Läden. Antiquariate so wie ich sie mir, seit ich zum ersten mal vom Laden des Herrn Koriander (Ich glaube so hieß der Buchhändler doch, der in der unendlichen Geschichte Bastian Balthasar Bux das Buch verkauft...) gelesen habe, vorstelle.

In der Gesamtheit betrachtet ist Tokio einfach unheimlich anders und doch auf eine ganz offensichtliche Art und Weise sehr vertraut. Ich fühle mich nicht so fremd wie in China, so merkt man doch, dass gerade die Kulturindustrie schon seit einigen Jahrzehnten nach denselben Maßstäben funktioniert und doch sind die Parameter des Zusammenlebens und Zusammenhaltens dieser Gesellschaft ganz andere als bei uns.

23.7.13 16:48
 


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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Maria Rebeca / Website (1.9.17 22:23)
É preciso prática, mas fica mais fácil com tempo.


Paulo Bryan / Website (2.9.17 05:39)
Fiz tudo certo mais deu um erro nao entendi bastante bem.

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