Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Letztes Feedback
   17.01.13 18:12
    Warum setzt du dich denn
   23.01.13 22:18
    Das mit dem zweiten Früh
   10.08.13 08:45
    txxWm2 ijdmojqcylvj, [u
   8.01.14 22:17
    .eJxTys3MSczTTSxN0y1KzSx
   17.09.14 08:35
    good articles
   19.04.17 21:27
    ____________ ________, _

http://myblog.de/milan-auf-reisen

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
The End

So, jetzt bin ich schon seit über 2 Monaten wieder in der „Heimat“ und doch habe ich eines meiner bisher größten Abenteuer noch nicht so richtig verarbeitet. Das kann zum einen daran liegen, dass ich von den 8 Wochen, 4 auf Seminar verbracht habe, 2 in Hamburg um organisatorische Fragen mit der Uni zu klären und die Zwischenzeit in Kassel, das heißt ich bin fast so viel gereist wie während meiner Weltreise und hatte nicht den Raum und die Ruhe für mich, um das Geschehene zu verarbeiten. Zum anderen habe ich mich bisher auch davor gescheut einen literarischen Abschluss der Reise zu finden, weil ich damit dieses Ereignis sozusagen abhake und damit etwas hinter mir liegt, wovon ich schon seit Jahren geträumt habe. Ich muss etwas zur Vergangenheit erklären, was ich manchmal viel lieber noch in der Zukunft aber vor allem in der Gegenwart sehen und erleben würde. Ich habe mich in den letzten Tagen dann aber doch überwunden, wenigstens die Fotos einmal zu sortieren, auszuwählen und in eine präsentable Form zu gießen. Dabei ist mir klar geworden, dass ein ständiges Aufschieben keinen Sinn macht, im Gegenteil sogar dazu führt, dass ich mich nicht lösen kann, in einer immer weiter verschwimmenden Vergangenheit schwelge und damit dieses für mich herausragende Abenteuer nicht so würdige, wie es das eigentlich verdient hätte.

Also, weg mit den Zweifeln und ran an den Speck, schließlich war mein Trip nach Alaska noch nicht beendet und auch meine Erlebnisse im „Kernland“ der USA sind durchaus eine Erwähnung wert.

Nach der grossartigen Erfahrung auf den Spuren Jack Londons durch die Wildnis Alaskas zu wandern, sollte das nächste Ziel Seattle sein. Doch bevor ich diese Stadt im Norden der USA, im Bundesstatt Washington, erreichen konnte, musste ich den Weg zurück finden zum Flughafen in Juneau, der die Anbindung zur Zivilisation garantiert. Ich habe denselben Weg von Skagway nach Juneau genommen, den ich auch schon bei der Hinfahrt benutzte: Eine wunderschöne Fahrt mit der Fähre durch die „Fjorde“ Alaskas (Ich bin mir sicher die heißen hier nicht Fjorde, auf diesen Begriff hat wohl Norwegen ein alleiniges Verwendungsrecht aber man kann es sich zumindest gut vorstellen). Durch die Hinfahrt hatte ich schon einiges gelernt. Der Platz an Deck ist der schönste aber nur mit einer warmen Ausstattung. Schlafsack, Mütze und Windjacke sind ein absolutes Muss. Ich habe mir also die wichtigen Dinge mit aufs Deck genommen und mir ein Lager für die nächsten Stunden eingerichtet. Alle Naturverbundenen, Wanderer, Camper nutzen den Raum an Deck. Die Plätze unter Deck überlassen wir gerne den „Pauschaltouristen“. An Deck ist die Verbindung mit der Wildnis noch stärker zu spüren, die Atmossphäre wenn sich der Himmel durch den Sonnenuntergang blutrot färbt, der würzige Duft der salzgeschwängerten Luft, das Rauschen der Wasserfälle, das Schreien der Möwen als würden sie die Durchreisenden begrüssen und natürlich nicht zu vergessen der strenge , kalte Wind, der einem in die Glieder fährt, auch wenn man eingepackt (natürlich im Sommerschlafsack, schließlich war ja noch August) auf einer Liege liegt. Das ist wahres Alaska- Feeling. Einfach herrlich….

 

In Juneau angekommen hatte ich mich der Herausforderung zu stellen, wie ich den 25 Meilen entfernten Flughafen erreichen sollte, ohne ein Taxi zu benutzen, was mir als einzeln Reisender natürlich viel zu teuer war. Ich entschloss mich das erste Mal in meinem Leben zu trampen. Also, ich meine jetzt so richtig, an einer viel befahrenen Strasse den Daumen raus, nett lächeln und hoffen… Natürlich war es schon dunkel, es hat ein wenig genieselt, also die beste Zeit um darauf zu hoffen, dass sich jemand eines langhaarigen, mit riesigem Rucksack bewaffneten, jungen Mannes erbarmt. Und tatsächlich, es passierten vielleicht vier oder fünf Autos und dann hielt auch schon eines. Ich habe den Namen der netten Frau leider schon wieder vergessen (Ich glaube sie hieß Eva), die mich aufsammelte. Ich konnte mich noch an sie erinnern, sie war auch schon am Deck des Schiffes gewesen und hatte Gitarre gespielt (Bei Sonnenuntergang natürlich, eine wundervolle Untermalung). Auf dem Weg zum Flughafen erzählte sie mir, sie sei Liedermacherin und Berufshippie und wolle nächstes Jahr nach Berlin um bei einem Fest zum Fall der Mauer eines ihrer Lieder über das Einreißen von Mauern zu singen. Auf Grund des guten Sinnzusammenhangs sah ich da erstmal keine Probleme und wünschte ihr beim Abschied alles Gute und bedankte mich für die Fahrt. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass es mich schon ein wenig mit Stolz erfüllt das Wagnis Trampen eingegangen zu sein und bin fast enttäuscht, dass ich dieses Instrument nicht schon früher in Alaska häufiger genutzt habe, das hätte mir viel Geld gespart und ich hätte interessante Bekanntschaften machen können. So sind doch Tramper und diejenigen die Tramper mitnehmen schon etwas speziellere Menschen, im positiven Sinne.

Am Flughafen habe ich die Nacht verbracht und auch ein leider ein paar Dinge zurücklassen müssen. Mein Bärenspray durfte ich nicht im normalen Gepäck transportieren. Jetzt habe ich es nicht verwendet ( weil ich ja leider keinen Bären getroffen habe) und darf es noch nicht einmal als Souvenir mitnehmen. Scheiße, 30 Dollar verschwendet… Ich will gar nicht mit meinem Bärenkanister anfangen, der noch viel teurer war und den ich erst recht nicht brauchte…(den konnte ich wenigstens mitnehmen, für die heimischen Bären...) Naja aber es hätte ja sein können, safety first… Auf dem Weg zu Security-Check habe ich bemerkt, dass ich meinen kompletten Kulturbeutel bei mir hatte, den ich aus welchen Gründen auch immer in meinen kleinen Rucksack umgelagert hatte… Also das neue Shampoo weg, Duschzeug weg, verdammt sogar das Rasierwasser hatte mehr als 100ml… Außerdem das gute Schweizer Taschenmesser, welches mir meine Mutter vor der Reise schenkte. Das konnte ich ja nicht einfach so wegschmeißen, also nochmal 10 Dollar investiert um es vom Flughafen per Post nach Hause zu schicken. Wunderbar, Organisation und bedachte Planung ist nicht so mein Fall.

Endlich bin ich in den USA, also dem Kernland, auf dem Weg nach Kalifornien… Aber erst mal Seattle. Die Stadt aus „Schlaflos in Seattle“ und der Geburtsort von Starbucks. So viel wusste ich vorher… und viel mehr weiss ich jetzt auch nicht (das stimmt so nicht hört sich aber schön an). Mein Weg vom Flughafen führte mich mit der wunderschönen Monorail direkt nach Chinatown zu meinem Hostel. Aus dem Zug hatte man einen grossartigen Blick auf die Skyline und konnte einen ersten Eindruck gewinnen einer richtigen amerikanischen Grossstadt. Viel Beton, viel Glas, viel Stahl und alles echt riesig…. Völlig überraschend also…

 

Was mich an amerikanischen Städten wirklich überall genervt hat, ist das es im Innenstadt- Bereich einfach keine Supermärkte gibt. Bloß kleine Kioske mit einem Angebot, welches sich vielleicht am ehesten mit Tankstellen-Shops vergleichen lässt. Also schön einkaufen um selbst zu kochen- Fehlanzeige, dafür muss man mit dem Bus erst mal in die Peripherie um zum nächsten Wal- Mart zu gelangen. Wirklich unerfreulich für Nicht-Auto- Nutzer. Also war ich quasi gezwungen meist Essen zu gehen. Und was gibt es da in den USA, was nicht allzu teuer ist. Natürlich! Fast Food! Oh mann, was für eine schöne Ausrede um meine Vorliebe für Burger, Pommes, Burritos, Quesodillas und ähnlichem so richtig auszuleben… Sehenswürdigkeiten hat Seattle eine ganze Menge zu bieten und ich will nur eine kleine Auswahl treffen von dem was ich mir angeschaut habe. Am beeindruckendsten an dem ganzen Besuch fand ich einen Ausblick den ich auf die erleuchtete Skyline von Seattle hatte von einem Hügel aus, neben der denkmalgeschützten Gas Power Station im Stadteil Fremont. Nach einem abenteuerlich langen Fussmarsch (der bei Google-Maps nicht so lang aussah, aber die Grössenverhältnise sind in den USA anders als in europäischen Städten), der mich Teils durch dunkle Ecken und Parks trieb, in denen mir ein wenig mulmig wurde, habe ich so einen der wertvollsten Flecken urbaner Schönheit entdeckt, den man sich vorstellen kann. Eine von Autobahnen umsäumte glitzernde Welt aus Stahl, Glas und Beton die dem Betrachter vermittelt auch inmitten von Staub, Lärm und Abgasen einen Ort des Träumens finden zu können. Dieser Anblick hat mir auch die nächsten Ziele meiner touristischen Erkundungstour eingegeben, denn über meinen Aufenthalt im Kernland der USA hatte ich mir noch überhaupt keine Gedanken gemacht und so immer wieder ein auf Berichten oder Eindrücken basiertes Programm spontan zusammengestellt. Die nächsten Ziele sollten die weltberühmte Space-Needle und das höchste Gebäude der Stadt sein. Die Needle, Wahrzeichen der Weltausstellung 1962, erwies sich als total überlaufen und absolut überteuert, so dass ich den Gedanken schnell verwarf nach oben zu fahren und mir dachte ein Blick auf die Stadt muss reichen. Auch wenn das Gebäude nicht so prestigeträchtig ist, so war es doch zumindest höher und ich denke, dass ist das was am meisten zählt.

Was wäre schon Seattle ohne ihr bekanntestes Export- Produkt: den Starbucks-Coffee. Schon in jeder anderen Grossstadt in Europa aber noch mehr in den USA begegnet einem ein Starbucks gleich mehrfach in der Fußgängerzone. Wie kaum ein anderes Produkt steht es für die Ausbreitung des globalen Handels und die kulturelle Hegemonie der USA. In Seattle aber nimmt die Präsenz des nach dem ersten Maat aus Moby Dick benannte Kaffezubereiters fast schon abstrakte Züge an. Alle paar hundert Meter kann man sich hier von Bagels, einem schlichten Latte Macciato, Moccacino oder noch kreativeren Kaffeevariationen verwöhnen lassen. Kaffee als Doping einer nach oben strebenden Mittelschicht oder auch als Statussymbol einer immer weiter umsichgreifenden Service-Gesellschaft... Natürlich durfte bei soviel Hype mein Besuch des ersten Starbuck-Cafes nicht fehlen. Vor den Türen hatte sich eine Acapella Combo platziert die herzerwichende Gospelsongs intonierten oder auch Klassiker des R&B.

 

So viel Hingabe und Stimmengewalt haben mich den Schriftzug am Gebäude beinahe vergessen lassen und so habe ich mich entschieden mich nicht in die meterlange Schlange aus Touris zu reihen um danach erzählen zu können ich hätte einen Latte Macciato mit Browniesplittern und Karamell Sirup im ersten Starbucks getrunken, sondern die fünf Dollar dafür zu verwenden mir eine CD als Andenken an diese Strassenkünstler zu erwerben. Eine weitaus bessere Entscheidung, so kann ich doch, sofern ich möchte, meiner Hommage an die Globalisierung auch in Hamburg (und inzwischen sogar in Kassel) Ausdruck verleihen.

Für die Weiterreise nach San Francisco habe ich mich für das günstigste öffentliche Verkehrsmittel entschieden, welches die USA zu bieten hat, den Greyhound Bus. Schon vieles hatte ich von diesen Bussen gehört, die letzten Gespräche mit einer Engländerin in Fairbanks waren eher beunruhigend. Sie berichtete mir von agressiven, aufdringlichen Mitfahrern und Busbahnhöfen in den schlechtesten Vierteln einer Stadt. Ich habe mich nicht entmutigen lassen, schließlich war ich schon in der dritten Klasse durch Russland gereist und habe in Hostels übernachtet die irgendwo im Hinterhof lagen und keiner der Anwesenden Englisch sprach. Die Tickets waren also schon gebucht für San Francisco aber noch keine Unterkunft. Im Hostel in Seattle war die Internetverbindung katastrophal, ich musste den Hausinternen Rechner benutzen, den man allerdings nur 15 Minuten kostenlos verwenden durfte. Der zeitliche Druck und die daraus resultierende unbefriedigende Situation haben wohl meine Konzentration gestört, denn ich musste, als wir schon beinahe in San Francisco angekommen waren, feststellen, dass ich einen Tag doppelt gebucht hatte und dafür, was noch viel schlimmer war, den ersten Tag überhaupt nicht. Aber alles der Reihe nach. Die Fahrt von Seattle nach San Francisco dauerte ungefähr 24 Stunden mit einem Umsteigen in Sacramento. Von den Bedenken der Engländerin hat sich nicht wirklich etwas bestätigt. Die Mitreisenden waren höflich und nett oder auch nicht, wie auch in jedem Zug in Deutschland. Das einzige was mich ein wenig schockierte, ist das es wohl immer noch so etwas wie eine stille Rassentrennung gibt. Nicht wiklich ausgeprägt aber spürbar in den Bussen. Die Weißen saßen zumeinst ganz vorne und die Schwarzen weiter hinten. Die Weißen standen auch immer als erste an den Gates haben dort ihre Koffer als Platzhalter installiert um ja als erste in den Bus zu kommen und sich die Plätze weiter vorne zu schnappen. Vielleicht war es auch einfach schlichter Zufall oder ich habe etwas gesehen was ich sehen wollte aber ich habe es als reale Abgrenzung empfunden.

Die Busbahnhöfe sind immer Downtown, das heißt im Zentrum der Stadt, dass in Europa ja eigentlich eher den Besserverdienenden „gehört“. In den USA ist die Stadtentwicklung aber anders verlaufen. Wahrscheinlich auf Grund der größeren individuellen Mobilität und dem zur Verfügung stehenden Platz sind die Reichen dort in die Vorstädte gezogen und die Innenstädte gehören den Obdachlosen und Arbeitslosen. Sie wohnen zwar nicht dort aber sie halten sich den Tag über meist in Downtown auf, so dass sich, gerade wenn man in der Dunkelheit dort ankommt und sich noch nicht auskennt, ein unsicheres Gefühl entwickeln kann. Negative Erfahrungen habe ich nicht gemacht, ganz im Gegenteil, ich habe sogar den ein oder anderen netten Small-talk führen dürfen mit Menschen die sich auf Grund meines großen Rucksackes für meine Reise interessierten.

 

Zurück zu meiner Fehlbuchung: Während einer der Pausen hatte ich mein Missgeschick bemerkt und mich noch um ein Ausweichhostel für den ersten Tag gekümmert, was allerdings nicht besonders erfolgreich war. So habe ich gezwungener Maßen, dass erste günstige Hotel gebucht welches mir Hotel.com anbot. In San Francisco angekommen habe ich mich im Hotel daran gemacht die nächsten Tage bis zu meiner Ankunft in LA zu planen, um nicht wie in Seattle völlig orientierungslos durch die Stadt zu laufen. Ich hatte schließlich noch einiges vor: Yosemite, Las Vegas, den Grand Canyon.... Und so habe ich Wegstrecken erkundet, Hostels gebucht, Autos gemietet, Permissions beantragt oder auch nicht, Ausflüge geplant und viel gerechnet, denn mein Geld war zu diesem Zeitpunkt schon so gut wie aufgebraucht und trotzdem gab es noch viel zu erleben. Ich musste also stärker Haushalten als bisher und auch weitere Schulden einplanen. Ein persönlich Highlight buchte ich für den nächten Tag: Den Besuch eines Baseballspiels der SF Giants. Als alter Bravo-Sport Leser und Fan der American Sports (zuallererst wegen der so viel cooleren Maskottchen) habe ich mich schon genug geärget, dass die NBA gerade Pause machte und die NFL zwar gerade angefangen hatte aber alle in Frage kommenden Mannschaften zu den in Frage kommenden Zeiten Auswärtsspiele hatten. Na, dann zumindest Baseball. Aber dazu später mehr. Nach stundenlangen Planungen freute ich mich auf die erste Nacht seit Nowosibirsk alleine in einem Hotelzimmer.

Am nächsten Morgen ging ich kurz vor knapp zum Frühstück, welches man sich an der Rezeption nur kurz zusammensammeln sollte um es dann im Zimmer zu verzehren. Als ich mir gerade einen Kaffee einschenkte, kam eine Gestalt die Treppe herunter, die ich zuerst nicht beachtete, bis sie mich mit einem exterm erstaunten „Milan, was machst du den hier?“ ansprach. Und tatsächlich war es mein Kumpel Jan aus Frankfurt, gemeinsam mit seiner Freundin. Mir blieb vor Überraschung fast die Sprache weg, als ich die Frage an ihn zurückgeben wollte. Man muss sich das mal vorstellen, da treffen sich zwei Menschen in einer der berühmtesten Städte eines riesigen Landes, die voneinander nicht wussten, dass sie sich in diesem Moment dort aufhalten. Ich hatte mit Jan schon über ein halbes Jahr nicht mehr gesprochen. Ich war nur aus reinem Zufall in diesem Hotel gelandet und auch das Zeitfenster sich beim Holen des Frühstücks über den Weg zu laufen war äußerst knapp. Dieses Zusammentreffen ist so unmöglich, dass ich es nicht glauben würde, hätte ich es nicht selbst erlebt.

Nach kurzer Sprachlosigkeit fielen wir uns in die Arme und haben uns gefreut wie kleine Kinder. Da wir alle schon den Tag verplant hatten, verabredeten wir uns abends noch zum Bier.

Meine Reise sollte mich an diesem Tag nach Alcatraz führen, wofür ich allerdings keine Besichtigung mehr buchen konnte, weil diese tatsächlich schon Wochen bzw. Monate im Vorraus ausgebucht sind. Ich begnügte mich dann mit einer Hafenrundfahrt, die uns ganz nahe an die ehemalige Gefängnisinsel heranbringen sollte. Ein bißchen fühlt man sich Hineinversetzt in einen Film, wenn man diesem Gebäude mit beeindruckender Geschichte näher kommt. Ich erinnere mich an Bilder aus „The Rock“ oder dem wunderbaren Film mit Clint Eastwood über die Flucht aus Alcatraz den ich vor Jahrzehnten mal mit meinem Vater schaute. Alcatraz sieht wirklich so aus wie im Film und die Geschichte spricht sozusagen mit dem Betrachter. Fast noch beeindruckender als die Zeit als Staatsgefängnis für Schwerverbrecher (unter anderen Al Capone hat dort eingesessen) finde ich die Episode in der Alcatraz von Native Americans besetzt wurde um auf die Unterdrückung ihrer Minderheit in der amerikanischen Gesellschafft aufmerksam zu machen.

 

Nachdem wir Alcatraz passiert hatten, fuhren wir natürlich an der Golden Gate Bridge vorbei und unter ihr hindurch. Diese Brücke, in der der eiserne Wille der Amerikaner und die Grenzenlosigkeit der Ingenieurskunst seinen Ausdruck finden soll, ist wirklich beeindruckend. Produziert durch x Filme, Bücher, Kalender, Fotos usw. ist die Bekanntheit dieser Brücke natürlich in einem Maß gesteigert worden, die nichts mehr mit der eigentlichen Bedeutung zu tun hat. Manchmal leicht an Überheblichkeit erinnernde Übertreibung ist der amerikanischen Gesellschafft in vielen Punkten zu eigen und das merkt man auch beim Mythos der Golden Gate Bridge. Die auf der anderen Seite nach San Francisco führende Oklahoma Bay Bridge ist bei weitem länger, der Bau war aufwendiger und dennoch ist sie längst nicht so bekannt. Bilder und Mythen sind dann doch oft wichtiger als die Realität...

 

Am Abend geht es zum Baseball. Auch wenn die SF Giants kein cooles Maskottchen haben, sind sie in der MLB doch sehr erfolgreich. Champion 2011 und 12. Das Stadion liegt direkt am Meer und wenn man, wie ich, eine günstigere Karte ganz weit oben hat, kann man sogar auf dasselbige schauen. Möwen fliegen kreischend über das Spielfeld, es riecht nach Seeluft und eine ausverkaufe Arena. Das kann ein gelungener Abend werden. Gerade wenn man betrachtet das die Giants gegen die Brewers spielen.

 

Naja, ausverkauft, es befinden sich nie mehr als drei-viertel der Menschen im Stadion, der Rest ist gerade in den Katakomben unterwegs um sich was neues zu Essen zu holen. Das kann man sich gar nicht vorstellen, wieviel hier während so eines Spiels verzeht wird. Man hat den Eindruck manche kommen nur zum Essen... Es ist einfach ein riesiges Picknick. So ein Baseball- Spiel dauert aber auch mal gerne 4 Stunden, da muss man ja vorbereitet sein. Wirklich jeder freie Fleck im Stadion ist mit einem Essensstand aufgefüllt. Sämtliche Produkte des amerikanischen Fast-Food Paradieses sind hier zu erwerben und noch so einiges mehr. Zum Beispiel die unschlagbaren garlic fries, die auch ich mir zu Gemüte führe, schließlich will man ja nicht auffallen. Nicht nur das ständige Essen ist ein Unterschied zu sportlichen Grossveranstaltungen in Deutschland. Hier wird auch nicht so sehr gesungen und gejubelt. Alles passiert nur auf Ansage und vor allem haben die Stadionkameras eine große Bedeutung. Es gibt Zeiten, in der bestimmte Lieder eingespielt werden zu denen dann alle möglichen Leute möglichst verrückt abhotten nur um einen kurzen Moment auf der großen Leinwand gezeigt zu werden. Die Kiss-Cam ist ein großes Spektakel. Wenn zufällig mal ein Pärchen aufgenommen wird, was in Wahrheit gar kein Pärchen ist und sich partout nicht küssen will, geht ein lautes Raunen durchs Stadium, auf der anderen Seite werden die Küsse je leidenschaftlicher bejubelt je intensiver sie sind. Es gäbe noch eine Menge zu erzählen zu diesem Ereignis: das Spielsystem, welches ich nach einer Zeit fast vollkommen verstanden hatte, mein persönliches Souvenir und und und aber ich bin des Schreibens ein wenig müde geworden....

Nach dem Spiel habe ich mich noch mit Jan und seiner Freundin getroffen und wir haben in zwei Kneipen unser so unwahrscheinliches Zusammentreffen begossen. Das war wirklich herrlich und zählt zu meinen persönlichen Überraschungshighlights.

Nun wartete auf mich die erste eigenständige Fahrt auf einer amerikanischen Strasse. Um zum Yosemite Park zu gelangen und vor Ort flexibel zu sein hatte ich mir ein Auto gemietet. Nur mit Öffentlichen wäre der Trip extrem zeitaufwendig gewesen und ich hätte nur eines oder zwei Highlights des Parks in der mir zur Verfügung stehenden Zeit besuchen können. Natürlich hatte das Auto Automatik, was mir eigentlich sehr entgegenkommt, so ist mir beim Autofahren hauptsächlich wichtig sicher von A nach B zu kommen und dabei so wenig Aufwand wie möglich zu haben. Der Wunsch zu schalten ist nur was für Machos.

Allerdings ist es beim Automatikfahren sehr wichtig die goldene Regel zu beachten, nämlich nur einen Fuß zur Betätigung der Pedale zu nutzen. Befolgt man diese Regel nicht und versucht mit dem an die Kupplung gewöhnten linken Fuß zu bremsen, sieht das Fahren ganz schön holprig aus. So ging es mir als ich den Wagen in einem Hotel abholte. Gerade die ersten 25 Meter bin ich mehr „gesprungen“ als gefahren und ich bin mir sicher der Mitarbeiter der Autovermietung hätte mir den Wagen am liebsten wieder weggenommen. Nassgeschwitzt habe ich nur eine lockere Bemerkung aus dem Fenster gerufen und versucht meine Unsicherheit wegzulächeln, dann erinnerte ich mich an die goldene Regel und alles ging seinen Gang. Ich fuhr das erste mal einen Hybrid. Was sowohl vom Fahrkomfort als auch vom Verbrauch phänomenal ist.

Fahren auf amerikanischen Strassen ist eine wahre Wonne. Kaum Kurven, fast alle fahren gleich schnell, massig Platz... nur das rechts Überholen hat mich am Anfang leicht irritiert. Die vier Stunden vergingen fast im Flug und auch verfahren habe ich mich nur ein bißchen. Im Yosemite Park habe ich mir als erstes die Redwoods angesehen. Einfach unglaublich riesige Bäume. Und mit riesig meine ich wirklich riesig... Das ist mit großen Bäumen in Europa gar nicht zu vergleichen. Die Sequoias sind regelrecht monströs.... So habe ich mir am Anfang die Ents aus dem Herrn der Ringe vorgestellt. Fast schon wirken sie wie aus einer anderen Welt.

 

Kein Wunder also, dass die Native Americans diesen Bäumen magische Kräfte zusprachen und die Wälder um sie herum Heiligtümer waren. Auch hier ist der Tourismus gnadenlos eingedrungen. Zwar versucht man die Besucherströme zu regulieren aber von einer Magie ist auf den ersten km im Park nichts zu spüren. Mensch reiht sich an Mensch, ein Kameraklicken folgt dem nächsten... Erst wenn man etwas höher hinauf in den Park vordringt kann man die Ehrfurcht am eigenen Leib erfahren, die eine solch mächtige Präsenz ausstrahlt.

 

Um im Park zu campen, so wie ich es vorhatte, muss man sich schon Monate im vorraus um einen Platz bewerben. Das hatte ich natürlich nicht getan, also hatte ich die Hoffnung, dass mich niemand entdecken würde, als ich versuchte im Auto zu schlafen, welches ich auf einen Parkplatz im Yosemite Valley abstellte, von dem ich am nächsten Morgen sowieso eine Wanderung starten wollte. Am Anfang sah es auch recht gut aus und ich trank in großer Vorfreude darauf am nächsten Tag den Park zu Fuss erkunden zu können, zwei meiner mitgebrachten Biere. Ich war wohl nicht der einzige der jemals diese Idee gehabt hatte, also mit dem Schlafen auf dem Parkplatz meine ich... So um kurz nach 12 in der Nacht wurde ich dann von einem Klopfen und einer in mein Gesicht gehaltenen MacLight aufgeweckt, die zu einem Park Ranger gehörte, der mir unmissverständlich klarmachte dass schlafen hier verboten wäre und ich nun zu einem 45 min entfernten Park fahren müsste wo die Ranger nicht so streng seien. Dann aber sah er die leeren Bierbüchsen und zum ersten mal in meinem Leben hat mir Biertrinken wirklich geholfen... Nachdem ich ihm erklärt hatte, dass ich die beiden Büchsen sozusagen eben erst geleert hatte, machte mir der Ranger, nach einer kleinen Beratung mit seinem Kollegen, das Angebot die Nacht ausnahmsweise doch auf dem Parkplatz verbringen zu dürfen, weil er es ja nicht verantworten könnte mich betrunken fahren zu lassen. Juhu, ein Hoch auf den Alkohol und er kann manchmal doch nützlich sein...

Die Wanderung am nächsten Morgen war ein wahrer Traum. Ich ging so früh los, dass noch niemand sonst unterwegs war und ich die raue Schönheit des Yosemite Valleys ganz für mich geniessen konnte. Der Sonnenaufgang, die Wasserfälle, der bizarre Halfdome, hier wäre ich gerne noch für ein paar Tage und für eine richtige Wanderung geblieben.

 

Aber ich hatte für den Tag noch die Fahrt mit dem Auto quer durch den Park auf dem Programm und musste abends in SF sein um den Bus nach Las Vegas zu bekommen. Auf dem Weg durch den Park habe ich zwei junge Ranger mitgenommen, die ihre freien Tage für eine Wanderung nutzen wollten und die mir einen unbezahlbaren Einblick in die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Nationalparkbeschäftigten ermöglichten. Mit ihnen gemeinsam habe ich auch die Rauchsäulen einiger Waldbrände gesehen, die dort zu der Jahreszeit regelmäßig vorkommen. Vielleicht war einer dieser noch kleinen Brandherde auch der, der dann Wochen später, zu einem grossflächigen Brand ausgeweitet, weite Teile des Tourismus im Yosemitey Valley lahm gelegt hat. Einfach nur mit dem Auto durch diese grossartige Landschaft zu fahren ist schon ein Erlebnis und egal wie lange man bleiben möchte, der Yosemite-Park ist definitiv eine Reise wert.

Las Vegas, das Mallorca der US- Amerikaner, eine Stadt in der andere Gesetze gelten als im Rest des Landes (u.a. Alkohol darf auf der Strasse getrunken werden und schon an über 18 jährige verkauft werden): Natürlich musste ich auch diesen Teil des Landes besuchen. Er steht immerhin auch für den Lifestyle in den USA, mag man das nun positiv sehen oder nicht. Im Vorfeld habe ich meinen Aufenthalt in Las Vegas arg zusammengestrichen und dafür einen Besuch des Grand Canyon mit auf den Plan geschrieben. Ohne schon viel vorweg nehmen zu wollen: Das war eine sehr gute Entscheidung.

 

Las Vegas ist genauso wie man es sich vorstellt: Im Sommer extrem heiss, der Strip glitzert regelrecht, überall geht es nur ums Geld und die Menschen sind zum Grossteil betrunken. Am ersten Tag meines Besuches ist alleine der Anblick aber auch das Gefühl sich in dieser Stadt zu bewegen extrem aufregend. Man schlendert von Hotel zu Hotel und die Superlative überbieten sich gegenseitig. Ganze Erfahrungswelten wurden teilweise relativ detailgetrau nachgebildet. Venedig mit seinen Kanälen und Gondeln, der Eifelturm, die Skyline von New York (gekrönt mit einer Achterbahn&hellip, eine ägyptische Pyramide, Camelot und noch vieles mehr…

 

 

Und überall derselbe strategische Aufbau: Will man eines der Hotels von innen betrachten oder in eine der vielzähligen Poolwelten (die so überlaufen sind, dass an schwimmen gar nicht zu denken ist. Dafür sind die Becken aber ohnehin nicht konstruiert. Man soll dort stehend seinen Drink geniessen und sich möglichst gutaussehend zu den Klängen der Musik bewegen) gelangen, so muss man sich erst durch tausende Spielautomaten kämpfen, die alle mit blinkenden Bildern und ratternden Zahlen dazu einladen kleinere oder auch größere Geldbeträge zu verzocken. Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit man ein beliebiges Hotel betritt: An den Automaten ist immer was los. Die Poker-, Black Jack-, Würfel- oder Rouletttische füllen sich so richtig immer erst abends. Die verschiedenen Hotels befinden sich in einem harten Konkurrenzkampf zueinander, der wird zum einen über die Preise ausgetragen (ein Aufenthalt auch in den besten Hotels Las Vegas ist im Vergleich zu dem angebotenen Komfort relativ günstig) aber vor allem auch über die Zusatzangebote und Shows der Hotels. Mindestens 5 verschiedene Shows des Cirque de soleil werden angeboten, Zauberer, Komiker, Sänger geben sich die Klinke in die Hand. Überall der beste, schönste, stärkste, verwegenste… Es gibt aber auch einen Hoteleigenen Freizeitpark (Im Circus Circus, indem ich meine letzte Nacht verbracht habe. Allerdings habe ich da auch gemerkt, was günstige Zimmerpreise dann ausmachen. Mein Zimmer war natürlich nicht im Hauptgebäuden, sondern gut 500m weit entfernt&hellip, eine Ritterschau mit echten Ritterkämpfen und und und. Wie gesagt am Anfang ist das Ganze wirklich faszinierend. Je länger man aber über den Strip spaziert (und da kann man wirklich stundenlang rumflanieren, teilweise haben die Hotels Fronten die länger sind als eine Meile) desdo mehr stößt einen die Verschwendung ab. Und so viel Verschwendung habe ich sonst noch nirgendwo gesehen. Eine Stadt mitten in der Wüste, mit orientalischen Pflanzenwäldern, 1000enden Pools, die immer noch wächst ist eigentlich ein Schandfleck für eine Gesellschaft. Sogar für ein Land wie die USA. Und da habe ich die Gefahren des Glücksspiels überhaupt noch nicht miteingerechnet. Ein System, bei dem am Ende immer die Bank gewinnt. Die Menschen aber mit der Hoffnung genährt werden, der eine oder die eine unter Millionen zu sein, der oder die am Ende als Gewinner da steht. Und diesem Reiz konnte auch ich mich nicht ganz entziehen. Schon vor meinem geplanten Zockerabend hatte ich mindestens 50 Dollar verzockt. Immer nur ein bißchen, um an ein Gratisgetränk zu kommen (die gibt es in den Hotels nämlich, lässt man sich an einem Automaten nieder und wartet lange genug) oder mal in Ruhe zu rauchen (denn auch der Nichtraucherschutz wird hier nicht so ernst genommen). Insgesamt ist es schon ganz schön erschreckend, dass das System Las Vegas jetzt seit so vielen Jahrzehnten funktioniert und immer noch wachsenden Zuspruch erntet. Das kann kein gutes Zeichen für eine Gesellschafft sein, in deren Fleisch sich ein solcher Parasit einnisten kann.

Naja, ich sollte mit meiner Kritik aber auch nicht zu hart sein, schließlich unterstütze ja auch ich, wenn auch vielleicht ein bißchen weniger als der durchschnittliche Las Vegas- Tourist, dieses System mit meinem Aufenthalt.

Das Hostel indem ich mich eingemietet habe ist ein typisches Party- Hostel. Eigentlich sind solche Hostels ja nicht mein Fall aber zu Las Vegas passt das irgendwie. Jeden abend organisierte Touren, zu den besten Partylocations der Stadt. Einen abend wollte ich mir das auch mal geben. Die Bewohner des Hostels und damit auch die Teilnehmer der „Sauf“-tour sind meisten amerikanische College-Kids auf der Suche nach sich selbst oder dem nächsten Rausch.Ob es Zufall war oder nicht aber ausgerechnet in diesem Hostel waren auch ein Haufen deutscher Teens. Nun gut aber einen abend mal so richtig Halli- Galli machen, das war das Ziel und das sollte auch erreicht werden. Von daher, den größten Teil des abends mit Starkbier aus dem 7/11 bestritten, dass es im Doppelpack natürlich günstiger gab. ( das ist mir sowieso in allen Städten der USA und in allen Supermärkten aufgefallen: Im Doppel oder Tripple gibt es fast alles günstiger&hellip Man darf seine eigenen Getränke auch mit in die Hotels bringen, in denen sich natürlich auch die Clubs befinden. Auch bei den Abendveranstaltungen gibt es sozusagen für jede Gehaltsklasse etwas. Wir waren eher in den „günstigen“ Locations. Das Trink- und Balzverhalten ist nicht von dem zu unterscheiden, was man auch sonst so aus „westlichen“ Ländern kennt. Nicht besonders spektakulär das Ganze also. Aber so war ich wenigstens auch mal in Las Vegas feiern und das kann man hier schon ganz gut. Der Weg nach Hause war für mich allerdings eine Herausforderung. Trotz der Tatsache das mein Hostel direkt auf dem Strip lag und dieser die größte Strasse von Las Vegas ist habe ich es dennoch geschafft, mich auf dem Weg dorthin zu verirren. So genau erinnere ich mich nicht mehr wie ich es letztendlich geschafft habe aber ich glaube ich habe die Besatzung eines Krankenwagens um Hilfe gebeten, die die Frage: „Wo bitte komm ich zum Las Vegas Boulevard“ verständlicherweise sehr lustig fanden.

 

Wie ich weiter oben schon geschrieben hatte, war ich letztlich sehr glücklich, dass ich Las Vegas nach zwei Tagen schon wieder verlassen konnte um mir einen der spektakulärsten Nationalparks in den USA anzuschauen und auch ein wenig dort zu verweilen: den Grand Canyon. Auch zu diesem Zweck musste ich mir ein Auto leihen, da ein Besuch des Grand Canyon mit dem ÖPNV zwar theoretisch möglich aber mit extrem vielen zeitraubenden Herausforderungen verbunden ist. Den Wagen hatte ich über das Internet schon in San Francisco gebucht und hatte nur Bedenken ob ich ihn auch ohne Voucher bekomme, den ich nicht ausgedruckt hatte. Das sollte nicht das Problem werden…

Im Hotel Treasure Island (das vor allem für seine Sirenenshow bekannt ist, die mehrmals täglich vor dem Hotel unentgeltlich bestaunt werden kann und in der kräftige Männer und hübsche Frauen auf zwei riesigen Schiffskulissen mit viel Musik und Feuerwerk die immer gleiche Piratengeschichte aufführen) sollte ich mein Auto abholen. Nachdem ich mich in dem riesigen Hotelkomplex fast verlaufen hätte, gelang es mir zu guter Letzt doch den im Vergleich winzigen Schalter der Autovermietung zu finden. Der fehlende Voucher war kein Problem und auch für die Zahlung des vollen Tanks im vorraus hatte ich genug Geld, eigentlich…. Zur Sicherheit hatte man mir einen Betrag von 300$ auf meiner Kreditkarte gesperrt. Da ich mich im letzten Monat meiner Reise befand, war das Geld natürlich relativ knapp, d.h. mit der Sicherung war das Limit meiner Kreditkarte erreicht. Nun wollten aber noch die Tankkosten bezahlt werden. Kreditkarte geht nicht mehr, dann geben sie mir doch bitte eine andere, das geht nicht, Europäer haben normalerweise nur eine, Ach echt?, kann ich auch bar bezahlen?, nein das geht hier leider nicht, und jetzt?, ja, dann kann ich ihnen das Auto nicht aushändigen, aber ich habe es schon bezahlt, der Betrag wurde abgebucht, ja, das ist schwierig… So war die Situation. Ich verzweifelt, die Mitarbeiterin ratlos und schon eine halbe Stunde meiner gemieteten Zeit war futsch… dann fiel ihr ein, dass die Buget Car Zweigstelle im Flughafen Bargeld annehmen kann. Sie rief mir einen Fahrer und ich wartete… Eine weitere Dreiviertelstunde weg…

Schließlich wurde ich abgeholt. Nicht von einem Taxiunternehmen, sondern von einem firmeninternen Fahrer, der mir nach einer Nachfrage aber bestätigte, dass er keinen Lohn bekommt sondern von den Trinkgeldern lebt. Weitere 10 Dollar weg und noch eine halbe Stunde meiner Zeit... Am Flughafen sollte ich direkt zum Ausgabeschalter der Fahrzeuge gehen und dort mit einem Herrn soundso reden, mit dem die Mitarbeiterin im Treasure Island telefoniert hatte und der über meinen Fall Bescheid wüsste. An besagtem Schalter saß aber eine Frau und die wusste von nichts. Sie schickte mich zum normalen Schalter, inclusive langer Schlange. Na super eine weitere Stunde futsch… Endlich am Schalter angekommen hat tatsächlich alles geklappt und ich habe mein Auto bekommen. Bevor ich einstig, habe ich noch mein ganzes Kleingeld auf einer Rolltreppe verloren, die mit einem hässlichen Kreischen zum Stillstand kam als die ersten Münzen zwischen die Stufen und die Kante am unteren Ende der Treppe gerieten. Ich sammelte die Münzen mit größerem Wert ein, schaute mich nochmal um, niemand hatte das Missgeschick bis jetzt bemerkt. Gut so, dachte ich bei mir, drehte mich um und lief zum Wagen.

Auf dem Weg zum Canyon wartete noch ein weiteres Highlight auf mich. Wer ist noch nicht beim Zappen auf N24 und einer seiner Dokus hängengeblieben? Gerade die Doku über den Hoover- Damm habe ich in den letzten Jahren bestimmt drei Mal gesehen, immer nur ein Stück, so dass sich die gesamte Doku nach diesen drei malen zusammengesetzt hatte. Und jetzt sollte ich ihn wirklich live sehen… Der Weg führte fast direkt daran vorbei. Das durfte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Dieses Wunderwerk der Ingenieurskunst. Dieses aus 1000enden Tonnen Beton bestehende Dokument des Vermögens der Menschheit sich die Natur untertan zu machen… Und tatsächlich es ist schon recht beeindruckend. Kein Vergleich mit der Edertalsperre… Der Hoover-Dam verbindet die beiden US-Staaten Arizona und Nevada und ist fast ein Muss für jeden Las Vegas Touristen. Oft werden die Fahrten dorthin im komplett Paket mit einem Trip zum Grand Canyon feilgeboten. Für diejenigen, die wenigstens ein bißchen „Kultur“ haben wollen. Das Ergebnis sind volle Strassen und ein überlaufener Hooverdamm… Und natürlich die Memorial Brücke, die an einen heldenhaften Footballspieler erinnert, der seine Karriere aufgegeben hat um seine Heimat im Irak-Krieg zu „verteidigen“. Die US- Amerikaner und ihr Verhältnis zur Armee, das ist schon etwas Besonderes. (Besonders erschreckend möchte ich fast meinen)

 

Im Grand Canyon bin ich durch das ganze Miet-Drama natürlich erst sehr spät angekommen. Ich bezweifele zwar, dass ich noch einen Campingplatz im Park bekommen hätte, wenn ich schon Nachmittags angekommen wäre aber zumindest hätte noch eine Chance bestanden. Abends war schon alles ausgebucht. Ich musste also wieder raus aus dem Park und habe mir in der Wildnis einen Platz zum campen gesucht. Ich war mir nicht sicher ob das so legal ist aber ich konnte mich noch an einen Satz aus einer broschüre erinnern, der besagte : „Das Campen im Umkreis von soundsoviel feet um eine Hauptstrasse ist verboten.“ Das impliziert doch im Umkehrschluss, dass das Campen ausserhalb dieses Umkreises erlaubt ist. Auf diese Schlussfolgerung habe ich mich verlassen und einen schönen Platz gesucht und gefunden, an dem ich schon in dieser Nacht einen wundervollen Blick auf den Sternenhimmel hatte.

Am nächsten Tag stand ich schon vor dem Öffnen des Servicecenters bei selbigem vor der Tür um ja als erster eine Erlaubnis zum Übernachten im Grand Canyon zu erhalten. Diese kurzfristigen „Zutrittsgenehmigungen“ sind zahlenmäßig begrenzt und ich hätte nicht noch einen Tag warten können. Dann wollte ich schon nach LA aufbrechen. Zum Glück habe ich eine Erlaubnis erhalten und konnte meinen Abstieg zum Tal eines der schönsten Orte der Erde beginnen.

 

Die Wanderung in den Grand Canyon war mir besonders wichtig, so hatte ich gehört und gelesen, dass die Magie dieses Ortes erst wirklich zur Entfaltung kommt, wenn man sich tiefer hineinbegibt in die Schlucht. Die ersten Meilen werden von hunderten Touristen gleichzeitig belaufen, so dass die Idylle doch sehr beeinträchtigt ist. (Wie an schon so vielen Orten meiner Reise...) Geht man aber über die ersten drei Meilen hinaus, so lichtet sich die Menge sehr schnell. Eine Wanderung bei 40 Grad im Schatten ohne wirkliche Gelegenheiten der geballten Macht der Sonne zu entgehen, ist auch eine besondere Herausforderung. Es wird auf der Internetseite des Parks deutlich davor gewarnt Abstieg und Aufstieg an einem Tag versuchen zu wollen, da vor allem der Kreislauf eine solche Belastung nicht gewohnt ist und das viele schwitzen zu einem erhöten Verlust von Mineralien führt. Schließlich sind es von der Talsohle bis zum „Ausgang“ des Canyons knapp 1500 Höhenmeter. Ich war gut vorbereitet, hatte massenhaft Mineralienliferanten dabei (Salzstangen, Erdnüsse, Gatorade...) und wollte ja sowieso die Nacht am Colorado River verbringen.

 

Nachdem die Touristenströme verebbt waren, konnte man die malerische Landschaft so richtig genießen. Wird der Canyon doch sehr dominiert von den Farben rot, braun und gelb, so gibt es doch Oasen „mitten in der Wüste“ die einem vor lauter Grün und Lebenslust den Atem rauben. In einer solchen Oase liegt der Campingplatz zu dem ich nach 5 stündiger Wanderung gekommen bin. Vor Urzeiten ein Siedlungsgebiet von amerikanischen Ureinwohnern ist er zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Reiseziel für Wanderer und Bootsfahrer ausgebaut worden.

 

Der Grand Canyon wurde ohnehin erst gegen Ende des 19. jahrhunderts von einem ehemaligen Offizier der amerikanischen Armee das erste mal erkundet und vermessen. Vorher befand sich an seinem Platz immer ein grauer Fleck auf den Landkarten. Der Colorado River galt als zu wild um ihn zu befahren und niemand wusste wie es um Stromschnellen und Wasserfälle bestellt ist. Heute befahren jedes jahr Tausende die Strecke und doch birgt sie bis zum heutigen Tag Geheimnisse und Mysterien. Zum wöchentlichen Programm auf dem Campingplatz gehört auch eine „Märchenstunde“ der Park- Ranger. Alle Interessierten können sich abens um eine Rangerin versammeln, die im halbdunkel mit Kerzen bewaffnet einige Geschichten des Grand Canyon zum Besten gibt. Von Sagen der Ureinwohner bis zu modernen Horrorstories ist alles dabei. Am spannendsten fand ich die Geschichte eines jungen Pärchens, die als Hochzeitsreise mit einem selbst gebauten Boot aufbrachen um den Grand Canyon zu durchqueren. Mit viel medialer Aufmerksamkeit wollten sie einen neuen Zeit-Rekord aufstellen. Sie sollten nie auf der anderen Seite ankommen. Man fand lediglich ihr Boot. Material und Proviant unberührt dümpelte es in einer kleinen Bucht als sei es gerade eben erst verlassen wurden. Seine Besitzer wurden nie wieder gefunden. Um diese Geschichte ranken sich seit Jahrzehnten die wildesten Mythen...

Aber nicht die Geschichten waren mein persönliches Highlight. Schlicht meine reine Anwesenheit an diesem Ort und die Wirkung der reinen Natur auf einen an den Luxus des modernen Lebens gewöhnten Menschen. Der Campingplatz liegt an dem Little Colorado River einem Zufluss zu seinem großen Bruder. Das Wasser fließt nicht so stark und ist deswegen durchsichtig und frei von Schwemmstoffen. Sich nach einem anstrengenden Abstieg in diesem Wasser abzukühlen, es über die strapazierten Beine und den verbrannten Nacken laufen zu lassen, dabei auf die Schluchten des Canyon zu schauen, ist eine wahre Wohltat. Rund um den Fluss sind Bäume und Sträucher gewachsen, zum Teil natürlich und zum Teil von den Rangern bewusst gepflanzt. Es ist eine unbeschreibliche Idylle...

 

Nachdem die Nacht über der Oase hereingebrochen war, sah ich den breitesten Sternenhimmel den ich jemals bewundern durfte. Es war auch nachts noch so angenehm warm, das ich den Überwurf meines Zeltes weggelassen habe und beim Einschlafen den Sternenhimmel sehen konnte. Um dem Erlebnis noch die Krone aufzusetzen: Es war Mitte August und Sternschnuppennacht, so dass man alle paar Minuten den Eindruck hatte die Sterne würden auf die Erde herabfallen...

Man hatte uns nahegelegt am nächsten Tag schon mit der Dämmerung aufzustehen um den anstrengenden Aufstieg zumindest größtenteils nicht in der sengenden Hitze vollziehen zu müssen. Diesem Rat bin ich gefolgt und mit den ersten Sonnenstrahlen losgelaufen. Es war eine weise Entscheidung. So war doch der Aufstieg erheblich schwieriger als der Abstieg einen Tag zuvor. Auf der Hälfte der Strecke habe ich einen Amerikaner mit italienischen Wurzeln kennengelernt, der im Park in einem Restaurant arbeitet. Durch ihn hatte ich eine wichtige Ablenkung, während ich mich Meter für Meter den Berg heraufgekämpft habe. Die letzten Meilen waren wirklich hart. Von oben kommen die leicht bekleideteten Touristen herunter mit einem Lächeln auf den Lippen und einem Lied auf der Zunge und von unten kam ich, hochrot und die Leiden sprichwörtlich im Gesicht geschrieben. Zwischenzeitlich wurde mir schwindelig und ich musste mehr Pausen machen wie mir mein Ego eigentlich zugestehen wollte. Zu guter Letzt habe ich es natürlich ohne größere Schwierigkeitenn geschafft und war um eine der schönsten Landschaftserfahrungen reicher die ich jemals machen durfte...

Jetzt fehlt nur noch LA aber das ist keine Geschichte für diesen Blog, denn LA habe ich gemeinsam mit meinem Freund und ehemaligen Mitbewohner Kai erkundet. Auch das war eine grossartige Zeit, die es verdient verewigt zu werden aber nicht an dieser Stelle. Dies war mein Blog und seinen Dienst hat er mit dem Ende meiner Reise getan.

Ich will nicht schreiben, es war eine Reise zu mir Selbst. Dann würde man vermuten ich hätte größere Schritte auf dem Weg zur eigenen Erkenntnis getan. Natürlich habe ich mich im Laufe dieser Zeit weiterentwickelt aber nicht unbedingt stärker als in anderen Perioden meines Lebens. Ich habe keine bisherigen Lebensplanungen über den Haufen geworfen und keine weltverändernden Entscheidungen getroffen. Ich habe nicht die Liebe meines Lebens getroffen (mit der bin ich schon lange zusammen) und war auch nicht Zeuge von weltverändernden Ereignissen. Ich bin nicht knapp dem Tode entronnen und habe auch niemandem das Leben gerettet. Ich bin nicht total verarmt, habe aber auch keine Schätze gefunden. Ich habe einfach eine Reise gemacht von der ich schon immer geträumt habe. Es war nicht der Traum meines Lebens aber einer davon. Ich habe im Anschluss nicht die Bodenhaftung verloren, bin aber glücklicherweise auch nicht zum totalen Realisten geworden.

Ich habe einfach den Mut gehabt, etwas zu wagen, was man sich von keinem Reiseanbieter der Welt kaufen kann: Das Gefühl ein Abenteuer zu planen, zu organisieren und letztlich zu erleben. Etwas Außergewöhnliches. Etwas Besonderes. Etwas Eigenes.

Und eines weiss ich ganz gewiss: Es wird nicht mein letztes Abenteuer gewesen sein.

7.11.13 20:51
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung